Joker: Erkenntnisse aus dem Film

“Joker” ist ein Mainstream-Film, der uns Empathie lehrt. Die Sequel des Superschurken und Antagonisten von Batman bedient sich im Storytelling und der Bildsprache an Klassikern wie “Taxi Driver”, ist dabei aber ein eigenständiges Kunstwerk geworden, das durch seinen Soundtrack perfekt repräsentiert wird.

Worum es geht

Wie wurde der Joker zum Joker? War er immer schon böse und verrückt oder hat die Welt bzw. das abgefuckte Gotham City auch seinen Anteil daran? Der Film ist kein klassischer Superheldenfilm. Er zeigt, wie ein abgehängter, zurückgelassener Mensch zum Joker wird. Und er zeigt dasauf genialste Art und Weise.

Die zwei Ebenen des Films

Ebene 1: Es gibt Gründe, warum Menschen so handeln, wie sie handeln, selbst wenn diese eingebildet sind. Diese empathische Glanzleistung bekomme ich als Zuschauer hier geboten. Denn was dem Joker in der Welt fehlt ist offensichtlich: Er ist der Prügelknabe, der keine Resonanz erfährt. Joker bekommt immer nur auf die Fresse. Er wird verarscht und erfährt Unehrlichkeit. Es sollte klar sein: So, wie wir uns verhalten, gestalten wir die Welt für andere Menschen. Fies zu sein kann ganz leicht sein für uns. Wir verdrängen das, aber die Opfer tragen für immer Schäden davon.

Die Joker-Werdung wird dem Publikum als absolut nachvollziehbare Entwicklung einer geschundenen Seele, die immer weiter einstecken muss, präsentiert. Der Einschnitt findet statt, als der Protagonist merkt, dass er doch mit der Welt in Kontakt treten kann. Er wehrt sich. Joker mordet das erste Mal. Die nachfolgende Tanzszene ist eine schauspielerische Glanzleistung, die ihresgleichen sucht.

Ebene 2: Was im Laufe des Films aber auch klar wird: Der Joker ist wahnsinnig und wir wissen nie genau, wie sehr das, was wir sehen, durch die Wahrnehmung des Jokers verzerrt wird. Wie viel ist Einbildung und was ist “Wirklichkeit”? Als Zuschauer sehen wir die Welt aus den Augen eines Wahnsinnigen, fühlen aber komplett mit. Das ist brachial.

Was das mit mir macht

Der Film bewegt sich also zwischen den Gegensätzen – einerseits entwickle ich totale Empathie für den Protagonisten, andererseits weiß ich nie, was davon wirklich stimmt. Das macht es schwierig für mich: Ist der Joker ein soziales Produkt – #konstruktivismus – einer schlechten Welt oder ist der Wahnsinn schon in ihm und drückt sich in seiner verzerrten Wahrnehmung aus?

Oder anders: Können wir etwas tun, um “gestörten” Menschen im Sinne von nicht-normal zu helfen, um sich nicht an der Gesellschaft zu vergehen? Das was wir im Film sehen, scheint das zu sein, was er für real hält, auch wenn es das teils offensichtlich nicht ist. Besteht die Möglichkeit seine Realität realer werden zu lassen?

Und wer bestimmt darüber, was real ist?

Fazit: Meisterwerk!

Der Film ist etwas ganz besonders. Als aktuell dritterfolgreichster Film des Jahres in Deutschland mit fast 4 Millionen Besuchern haben wir es hier mit einem Blockbuster zu tun, der in seiner undogmatischen Offenheit die allermeisten Filme mit Anspruch locker an die Wand spielt. Kaum ein Film hat mich noch wochenlang so intensiv beschäftigt. Ich finde es darüber hinaus großartig, dass “Otto-Normal-Verbraucher” mit diesem cineastischen Leckerbissen in Kontakt gebracht werden – und damit möglicherweise einen neuen Zugang zu Filmen und dem Leben an sich bekommen.

Joker hat mich absolut überzeugt. Ich freue mich schon auf’s zweite Mal gucken.

Blogadmin, Zukunftsforscher und praktischer Tranfsformationsagent bei Kiezbett. Mehr über den Blogansatz unter dem Menüpunkt Philosophie.

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