Die Probleme mit dem Geld

  1. Hat man zu viel Geld, hat man entweder keine Zeit oder keine Identifikation mit dem Geld.
  2. Hat man ausreichend Geld, steht man ständig vor Trade-Off Entscheidungen zwischen Ausgaben.
  3. Hat man zu wenig Geld, ist sowieso alles scheiße.

Zu 1.

Hat Mensch keine Zeit, weil sie/er nur am Arbeiten (alles ab 40h Woche) ist, rückt in nach meiner Beobachtung der Konsum in den Fokus, um den Zeitverlust auszugleichen. Aber: Zeit lässt sich nicht zurück kaufen.

Hat Mensch schon immer Geld, fehlt üblicherweise die Identifikation damit. Viele ErbInnen führen kein glückliches Leben, auch weil sie nie einen eigenen Weg entwickelt haben. Sie leben im Erfolg vergangener Generationen, der durch Geld repräsentiert wird.

Meine eigene Erfahrung mit “Geld haben” dauerte 1,5 Jahre an. Nach dem Verkauf meines Startups für einen fünfstelligen Betrag musste ich eine Zeit nicht auf Geld achten und hatte mir das auch noch selbst “verdient” – paradiesische Zustände, die dazu führten dass Stress und Rückenprobleme verschwanden, der Kopf sich öffnete und ich ein neues Studium anfing. Das war allerdings nur kurzzeitig “zu viel Geld” und wechselte schnell…

Zu 2.

Seit Anfang 2019 arbeite ich für Kiezbett. Zunächst ein Jahr auf Rechnung für 1.000€ brutto und mit Unterstützung von 200€/Monat als Kredit durch meine Mutter hart an der Armutsgrenze. Seit Anfang 2020 nun versetzt mit die Aufstockung auf einen Teilzeitjob mit 1.500€ netto in eine deutlich angenehmere Situation. Durch die geringen Einnahmen 2019 habe ich einige Ausgabeposten immer eher in die Zukunft verschoben, sodass meine Mehreinnahmen jetzt erstmal dafür drauf gehen. Grundsätzlich kann ich mit 1.500€/netto/Monat jedoch optimal meine Bedürfnisse stillen. Dabei stellt sich schon immer die Frage: Was kann ich mir gerade leisten und was nicht? Wo liegen meine Prios?

Zu 3.

Im Vergleich zu meinen Erfahrungen in der Vor-Gründerzeit ist das jedoch purer Luxus. Neben einigen Freelance-Aufträgen war ich ca. drei Jahre immer wieder auf Hartz IV angewiesen, zumindest als Zuschuss für die Krankenversicherung. Ich möchte keineswegs nur schlecht davon reden, denn es hat mir das Leben gesichert. Aber eben auch nicht mehr. Gleichzeitig ist psychische Belastung durch die Straf-Problematik nicht zu vernachlässigen. Ich musste immer wieder dort erscheinen und mich für mein Leben rechtfertigen – während ich am Tag zuvor mein Startup bei den größten Agenturen pitchen konnte.

Gutes, gesundes Essen wie auch kulturelle Teilhabe ist in dieser Situation wirklich schwer zu realisieren. Dennoch bin ich an der Situation absolut nicht zu Grunde gegangen. Dies würde ich auf familiäre Unterstützung und Bildung ebenso wie auf mein empathisches Grundgerüst, um auch in Zwangskorsetten wie dem Jobcenter halbwegs zurecht zu finden, zurückführen.

Meine Einbildung: Andere Menschen verstehen die jeweils anderen beiden Realitäten kaum, sofern sie damit selbst keine Erfahrungen gemacht haben. Das ist sehr schade – sind wir doch im Kapitalismus alle irgendwie von Geld abhängig.

Blogadmin, Zukunftsforscher und praktischer Tranfsformationsagent bei Kiezbett. Mehr über den Blogansatz unter dem Menüpunkt Philosophie.

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